8.3.10

offener Brief an die MitgliederInnen der RosaHilfe und der RoseKids

An beide Vereine: falls möglich bitte ich um eine Mail-Weiterleitung an Eure Mitglieder und eine Veröffentlichung auf beiden Homepages Eurer Vereine !

Liebe MitgliederInnen der Rosekids und der Rosa Hilfe,

als ich vor ca. 12 Jahren mein Coming-out hatte, war meine erste Anlaufstelle das wöchentliche Treffen der RoseKids. Dort habe ich Leute in meinem Alter gefunden, die fast alle in einer ähnlichen Situation waren wie ich - und ich fand einen Weg aus meiner Isolation, zu Gleichgesinnten. Über die Coming-out-Gruppe bin ich später zur Rosa-Hilfe gekommen und als ich zu alt für die RoseKids wurde, habe ich mich zunehmend bei der RosaHilfe engagiert.

Schon seit dieser Zeit habe ich zwischen den beiden Vereinen einen offen schwelenden Konflikt gespürt, zu dem mir aber weder bei den Kids, noch bei der Hilfe jemand sagen konnte, worin dieser eigentlich begründet liegt. Es hieß lediglich von beiden Seiten immer "Mit denen kann man nicht arbeiten". Bis heute konnte mir auch noch niemand erklären, warum die beiden Vereine sich vor Jahren "getrennt" haben.

Über die Jahre beobachte ich nun diesen Konflikt weiter - habe ihn auch schon selber zu spüren bekommen, in meiner Rolle als GuteFee für die Räume der RosaHilfe - und ich beobachte auch, wie sich beide Vereine weiter entwickeln, sich leider immer mehr voneinander entfernend. Ich beobachte dies auch mit einer gewissen Sorge, weil der Konflikt zumeist auf Vorstandsebene ausgetragen werden muss, die Auswirkungen aber von denen ertragen werden müssen, die sich "weiter unten" befinden, nämlich den MitgliederInnen der Vereine und denjenigen, die die Angebote der Gruppen annehmen wollen und müssen (wie ich es ja selber damals bei den Kids gebraucht habe, mich mit Gleichgesinnten treffen zu können) - und so werden diejenigen "bestraft", die eigentlich nichts mit dem Konflikt an sich zu tun haben.

Ich sehe nun einen neuen Hoch dieses Konflikts auf beide Vereine zukommen - und bevor beide Vereine sich mehr und mehr voneinander entfernen, wollte ich diesen offenen Brief an die Vorstände als auch an die MitgliederInnen schreiben, um einen kontroversen aber konstruktiven Vorschlag zu machen, der diesen Konflikt lösen und gleichzeitig für beide Vereine sehr viele Vorteile bringen könnte:

Beide Vereine vereinigen sich zu einem Verein, und es werden zwei Jugendvorstände fest in die Vorstandschaft der RosaHilfe e.V. aufgenommen.

Somit hätten die RoseKids nicht mehr das Problem, sich mit der Verwaltung und Organisation eines eigenen Vereins auseinander setzen zu müssen, und könnten sich wieder verstärkt auf den Jugendarbeits-Aspekt der Gruppe konzentrieren (ggf. mit Unterstützung der Beratungsmitglieder der RosaHilfe) - Nutzungsgebühren für die Räume und finanzielle Verwaltung des eigenen Vereins hätten sich auch erledigt - das Nachwuchs-Problem für die Arbeit in der RosaHilfe und im Vorstand hätte sich erledigt und es bestünde endlich ein regelmäßiger und gleichgesinnter Kontakt und Austausch zwischen Jung und nicht-mehr-21-jung (ich wollte nicht alt schreiben :) ). Klar, es gibt auch Punkte, bei denen sich beide Gruppen mehr zusammenreißen und mehr zusammenarbeiten müssen, wie z.B. bei den Finanzen, rechtliche Fragen usw. - aber ich denke, dass es eigentlich genau darum gehen sollte, weil eigentlich kämpfen doch beide Vereine für eine gemeinsame Sache und sie sollten Energien nicht darauf verschwenden, sich ständig gegeneinander verteidigen zu müssen, sondern vielmehr Synergie-Effekte nutzen, um gemeinsam voran zu kommen !

Ich erwarte von keinem der beiden Vereine eine Stellungnahme hierzu - ich erhoffe mir lediglich, dass eine konstruktive Diskussion entsteht, die zu einem besseren Miteinander führt !

In guter Hoffnung,
Jochen Wallmann